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BYND

Konstantin Arnold

MONTAGS

MONTAGS

Montag, du Scheißtag. Die Restaurants sind dicht und der Fisch ist schlecht. Außerdem das Wirrwarr vom Wochenende endknoten. Gedanken und Gefühle und aufgeschriebene Gefühle, die ich nie hatte, nur ein bisschen gedachte habe. Beim Essen und beim Gehen, beim Sitzen und beim Stehen, mittendrin, egal bei was, wenn’s zu viel ist, ist’s zu viel, muss raus, sofort, jetzt gleich, auf ein Blatt geschrieben werden, so wie Leute das Geplante hektisch in ein Gefrierfach legen, wenn sie spontan einer Einladung folgen, die sie nicht ablehnen konnten. Mit Montagen, an sich, hätte ich eigentlich keine Probleme, wenn sie mittwochs wären oder freitags. Für mich ist sowieso immer Freitag, nur dass freitags und samstags alle mit mir gemeinsam Freitag haben. Wein trinken. Draußen sitzen. Zeit haben. In Form sind. An Sardinen denken. Beim Schreiben werden. Was auch immer das zu bedeuten hat, aber so ist das, montags. Notizen überall und immer sowas weltgewaltiges, rücksichtslos rätselhaftes, das vielleicht gar kein Geheimnis zu hüten hat, aber allen Unterhaltungen fehlt und deswegen in Büchern geschrieben werden muss. Denn nur in der Kunst ist der Mensch frei und am Wochenende, wenn ihm egal ist, was er montags mit all den Notizen macht. Mit all den Wahrheiten, die vielleicht falsch sind, aber geklärt werden müssen. Alles. Das im Notizbuch und das auf den Zetteln und das, an was man sich kaum noch erinnern kann, auch. Auch das im Telefon, aber das kann immer nur eine begrenzte Zahl von Nachrichten speichern, also auch auf den Telefonen von anderen, aber von welchen? Hat jemand meine Weltenformel gesehen? Ja, sieht aus wie ein ganz normaler Satz, mit vielen Fehlern und wirren Worten, zumindest gehämmert, nicht geschmiert. In einem Zustand. Zu einer Uhrzeit. Kann gut aus was Deutschem und was Englischem und was Portugiesischem gemacht sein. Kommt drauf an. In jeder Sprache lassen sich bestimmte andere komplizierte Dinge einfacher kompliziert sagen. Zum Beispiel spreche ich Portugiesisch nur im Restaurant, nie in der Liebe, und in englischen Restaurants esse ich nicht. Komplizierte Gefühle lassen sich ganz hervorragend in deutsche Poesie übersetzen, aber deutsche Poesie spricht hier keiner, komplizierte Gefühle auch nicht, Deutsch schon, aber Deutsch ist zu kompliziert für Notizen, denn die müssen oft schnell gehen, ohne Aufsehen zu erregen, und ohne dass Frauen in Ohnmacht fallen und fragen, was das ist und der Gedanke dann weg ist. Das, meine Liebe, ist ein Stift, mit dem schreibt man, wie mit einem Telefon, und das ist Papier, auf das schreibt man, wie mit einem Telefon, ja, und das ist dein Kopf, mit dem denkt man, wie vor hundert Jahren mit keinem Telefon. Manchmal fühle ich mich wie eine Attraktion an oder etwas Altes oder eine Karikatur von etwas Altem. Verzieh mich aufs Männerklo. Sag, ich geh austreten, oder sag etwas anderes und schreib mir dann heimlich was auf oder geh, vom abwaschbaren Weiß angeregt, wirklich mal austreten und sag, ich hätte mir nur ein paar Notizen gemacht. Austreten oder Denkengehen, heimlich auf dem Männerklo Poeten sehen. Männer, die erst einmal etwas Richtiges waren, Helden, Weinbauern oder Seefahrer oder Glückliche, und nur heimlich Poet geworden sind und umso mehr. Ich bin zum Beispiel erst einmal arbeitslos und dann heimlich Poet. Dafür muss man nur ein romantisches Verhältnis zu einem Gefühl von Nutzlosigkeit aufbauen können. Geschichten vom Wochenende schreiben, die Ihnen von Ihnen und Leuten, wie Ihnen, erzählen. Die schönsten Antworten auf die größten Fragen suchen, ohne in die dafür vorgesehene Weltliteratur zu gucken, sondern im Leben zu blättern und in sich, sodass die Nummer hier zu einer äußerst intimen Angelegenheit wird, die eigentlich keinen was angeht. Aber unter uns, jetzt bin ich